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Südasien 1/2010 zum Thema "Globalisierung aus indischer Sicht"

26.04.10

Permalink 21:44:35, Kategorien: Südasien E-Mail , 655 Wörter   German (DE) latin1

Südasien 1/2010 zum Thema "Globalisierung aus indischer Sicht"

Link: http://www.asienhaus.de/suedasien-aktuell

Mit dem Thema "Globalisierung aus indischer Sicht" befasst sich die Ausgabe 1/2010 der Zeitschrift Südasien, die zum Preis von 6,50 (plus Versand) erhältlich ist. Im Editorial heißt es:

Was ist vom 4. Weltsozialforum geblieben? Was war der Mega-Event in Mumbai 2004: Meilenstein der globalisierungskritischen Bewegung, Manifestation einer globalen Solidarisierung von unten - oder ein Flop, der den wirtschaftlichen Expansionskurs der Bosse in den Chefetagen der internationalen Konzerne nicht im Geringsten ankratzen konnte.

In den letzten zwei Jahren wird zwar angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise vermehrt wieder die Rückkehr der Moral in die Finanzwelt gefordert. Doch führt die neue wirtschaftspolitische Nachdenklichkeit leider nicht zu neuen globalen Politikansätzen. Erst recht nicht in Südasien, das von der Krise ohnehin viel weniger betroffen ist als die klassischen Industriestaaten. Alles eitle Hoffen richten sich vielmehr auf die kleinsten Anzeichen dafür, dass die Wachstumsmaschine von selbst wieder ordentlich in Fahrt kommt.

Fortsetzung:

Armutsbekämpfung gilt zwar nach wie vor als edles Politikziel - schließlich ist Indien gemäß der Präambel seiner Verfassung eine sozialistische Republik - doch es braucht nun mal ein Wirtschaftswachstum von mehr als acht Prozent, damit - statt Umverteilung - der berühmte „trickle down effect" von reich zu arm auch wirklich einsetzt, wie der ehemalige indische Finanzminister - jetzt Innenminister - Chidambaram gelegentlich wissen lässt.

Seit Jahren warnen Nichtregierungsorganisationen wie Centre for Science and Environment vor der weiteren ökologischen Verödung des Subkontinents. Die Forderung nach ökologischer Nachhaltigkeit als Politikziel ist in Wirtschaft und Gesellschaft durchaus angekommen, in Indien wie in Deutschland. Anzeichen für Bewusstseinswandel sind durchaus da, doch auch hier ist von Politikwandel keine Spur. Stattdessen wird das gesunkene Ansehen des UN-Klimarats (IPCC) unter seinem aus Indien stammenden Vorsitzenden Rajendra Pachauri für das Scheitern der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im vergangenen Dezember verantwortlich gemacht.

Im Kern der Kritik am Klimarat steht die Frage, wie es mit dem Abschmelzen der Gletscher im Himalaya aussieht. Ganz so schnell, wie Pachauri verkündet hatte, scheint es nun doch nicht zu gehen. Vielleicht ist sogar noch Zeit für Gegenmaßnahmen. Doch mit dem Bewusstsein der Menschheit als globale Schicksalsgemeinschaft ist es nicht besonders weit her, wenn es ans Eingemachte geht. Gibt es eine Alternative zu mehr Produktion, mehr Handel - und gleichzeitig weniger Steuern, weniger Staat, weniger Politik - und weniger Umweltschutz (Ashish Kothari)?
Seit der Unabhängigkeit ist Indien durchweg weltpolitisch mbitioniert aufgetreten. Jawaharlal Nehru, Indiens Premierminister von 1947 bis zu seinem Tod 1964, gehörte zu den Mitbegründern der Blockfreien Bewegung und solidarisierte sich mit der globalen Entkolonialisierung. Indien gehörte lange zu den Vorkämpfern der nuklearen Abrüstung und gerechter Handelsbeziehungen. Gleichzeitig betrieben die indischen Regierungen eine Importsubstitutionspolitik, die ursprünglich einmal die Zukunftsvision einer weltweit wettbewerbsfähigen indischen Industrie vor Augen hatte. Stimmen, die Indien heute infolge der Liberalisierungspolitik seit 1991 als Netto-Gewinner der wirtschaftlichen Globalisierung sehen, können vor allem auf das kontinuierliche Wirtschaftswachstum seitdem verweisen. Auf der anderen Seite steht die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Den breiten Bevölkerungsgruppen der Armen und Entrechteten in den Rohstoffabbauregionen, aus denen sich die um sich greifende maoistisch inspirierte Aufstandsbewegung rekrutiert, ginge es ohne diesen Wirtschaftsboom vielleicht besser (Fernandez).

In diesem Heft kommen sowohl diejenigen zu Wort, die auf die ökologischen Grenzen der wachstumsorientierten neo-liberalen Wirtschaftspolitik aufmerksam machen, wie auch diejenigen, die im Wirtschaftsboom Chancen für mehr Gerechtigkeit, mehr internationalen Austausch und sogar mehr Umweltschutz sehen. - Der ganz besondere Dank für die Mitarbeit an diesem Heft geht an Rainer Hörig, der seit den 1980er Jahren in Pune lebt und seit vielen Jahren dem Südasienbüro eng verbunden ist. Die Konzeption des Schwerpunktteils trägt seine Handschrift, außerdem stammen die meisten Bilder aus Rainers beeindruckendem Fotoarchiv (vgl. www.indienbilder.com).

Die Analyse von Michael Holländer und Ralf Tepel zur Entwicklungszusammenarbeit mit Indien, die beim Versand von Heft 4-2009 beigelegt war (als download unter asienhaus. de), hat ein überwiegend positives Echo ausgelöst. Die Redaktion hat sich deswegen entschieden, das Thema im laufenden Heft mit einem Beitrag von Heike Kluve noch einmal aufzugreifen. - Zum Schluss lege ich Ihnen noch die Lektüre des Nachrufs auf den Paschtu-Dichter Ajmal Khattak ans Herz, den ersten Artikel im vorliegenden Heft. Wie bedauerlich, dass so wenig Paschtu-Literatur in deutscher Übersetzung vorliegt!

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